Die Sonne brennt an diesem Wochenende im Juni, als nach vier Jahren endlich das VW Treffen #HO26 in Hessisch Oldendorf startet. Ich habe diesmal Standdienst am Stand der California Welt und bin somit das ganze Wochenende beruflich wie privat dabei. „Das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren kann.“, nehme ich wohlwollend zur Kenntnis. Nur wären dabei Temperaturen unter 30° ganz zuträglich gewesen, denn schon bei der Ankunft am Stand ist das erste T-Shirt des Tages klatschnass geschwitzt.
Donnerstag ist Anreisetag. Ich liebe es ja allein schon, wenn sich alle vier Jahre die Wege in die Stadt und in Richtung der Campingplätze plötzlich mit alten Käfern und Bullis füllen. Der Popup-Campingplatz auf einem Feld oberhalb von Hessisch Oldendorf ist schon an diesem Tag von VW Fans aus ganz Europa gut besucht. Im AirBNB meines Papas hat sich ein Amerikaner mit seinem Sohn eingefunden und sucht bei den hohen Temperaturen verzweifelt die – nicht vorhandene – Klimaanlage. Aber ein Ventilator und ein schattiger Platz am Gartenteich tun es dann auch. Er findet es ganz „peaceful and relaxing“ im idyllischen Weserbergland.
Am Freitag mehren sich weitere Gäste aus Ländern außerhalb Europas in Hessisch Oldendorf. Wir sprechen mit Amerikanern, Indern und sogar Neuseeländern. In der Mittagspause esse ich leckeres orientalisches Fast Food und besorge Slushis zur Abkühlung am Stand. Am späten Nachmittag erscheint hoher Besuch in der Stadt, denn die VW Vorstände Stefan Mecha und Thomas Schäfer haben sich für die abendliche Begrüßungsrede angekündigt. Ich weiß nicht, wie sie an anderen Orten begrüßt werden, aber hier bei #HO26 werden sie mit Currywurst und Dosenbier empfangen und ich finde es sehr sympathisch, dass sie damit vollkommen zufrieden sind. „Wir haben ja gar nicht so viele Menschen hier erwartet!“, erzählen sie später begeistert auf der Bühne. Ja, vielen ist gar nicht bekannt, dass das VW Treffen in Hessisch Oldendorf das größte VW Vintage Treffen dieser Art ist. Dass Menschen aus aller Welt zum Teil ihre Fahrzeuge hierher verschiffen, um sie dann in der Innenstadt unseres verschlafenen Örtchens der Öffentlichkeit zu präsentieren, finde ich bis heute sowohl überraschend als auch überwältigend. Als jemand, der gern reist, gibt es nichts Schöneres, als an einem lauen Sommerabend durch die Lange Straße zu spazieren und dabei in das Raunen von Stimmen in vielen unterschiedlichen Sprachen einzutauchen.
Nach Feierabend laufen wir mit der gesamten Chaosfamilie bei genau einem solchen Spaziergang in der Stadt ganz unverhofft unserer Freundin Elke in die Arme, die einen ganz besonderen Gast im Schlepptau hat. Terence aus Malaysia, der 2016 noch mit seinem eigenen VW Oldtimer aus der Heimat bis zum VW Treffen gefahren ist, ist wieder da. Die Freude ist groß, als er erst uns und dann meinen Waliser Onkel Bobby entdeckt. Vor 8 Jahren hatte Terence noch ganz aufgeregt festgestellt, dass mein Onkel eine enorme Ähnlichkeit mit Robert de Niro hätte, wohingegen mein Onkel meinte, dass Terence als Michael Jackson Doppelgänger durchgehen könnte. Gemeinsam mit der Familie und Freunden verfolgen wir das Abendprogramm auf der Bühne und kehren dann im Weinviertele ein. Die Tische der Weinbar flankieren die Lange Straße. Hin und wieder passieren die letzten Bullis und Käfer, die in Richtung ihrer Unterkünfte aufbrechen, und werden von den Gästen der Weinbar ausgiebig beklatscht und gefeiert. Die Stimmung beim bunt gemischten Publikum aus den unterschiedlichste Nationen ist positiv und ausgelassen. Zufrieden lassen wir den Abend ausklingen.
Am Samstag knackt das Thermometer die 37°. An unserem Stand strahlt die historische Popcornmaschine fröhlich ploppend zusätzliche Hitz aus. Und dennoch tummeln sich die Besucher und Aussteller mit guter Laune auf dem VW Treffen. Der Nachbarstand von VW Oldtimer sorgt bei uns für große Dankbarkeit, als wir von den Jungs und Mädels gratis Eis bekommen, das sie auch unter den Besuchern verteilen. Die Nachfrage nach unserem Popcorn ist trotz der Hitze auch gestiegen, seit wir ein Schild gebastelt haben, dass darauf hinweist, dass es kostenlos ist. Besucher klettern interessiert durch die Fahrzeuge und stellen uns begeistert viele Fragen. Am Stand von VW Oldtimer wird eine alte Bahnschranke kurzum zu einem Werkzeug für die Felge eines alten Käfers umgewandelt, dessen Fahrer ein technisches Problem hat. Improvisieren kann hier sicher jeder. Dazu passieren unseren Stand wahre Kunststücke von Fahrzeugen, wie einen Käfer, bei dem alle Blechteile gegen kunstvoll zusammengeschweißte, verschnörkelte Eisen-Elemente ausgetauscht wurden. Ein ähnliches Modell ist kunstvoll in der evangelischen Kirche ausgestellt und wirkt dort richtig majestätisch.
Erneut gibt sich Stefan Mecha die Ehre, zusammen mit Vertriebsvorstand Lars Krause. Doppel hält eben besser! Ich kann es gut verstehen, da ich seit 2013 bei jedem unserer VW Treffen quasi in der Stadt lebe. Zu groß ist die Angst irgendwas oder irgendwen zu verpassen und dann wieder vier Jahre auf das nächste Treffen warten zu müssen. Aber an diesem extrem heißen Tag freue ich mich auch ungemein auf die Abkühlung nach der Arbeit. Wir packen die Kinder und fahren zu einem kleinen See in der Nähe. Man meint fast ein Zischen zu hören, als wir in die (halbwegs) kühlen Fluten abtauchen.
Wie es fast zu erwarten war, finden wir uns am Abend im Publikum an der großen Bühne mit Live-Musik mit der gesamten Chaosfamilie wieder. Die Feuerwehr hat sich für den immer noch sehr heißen Abend mit 33°C um 21h etwas Besonderes ausgedacht und spritzt mittels Schläuchen und einem riesigen Ventilator künstlichen Regen in die Menge auf dem Marktplatz. Wir werden patschnass und genießen es mit einem kühlen Getränk in der Hand.
Am späteren Abend haben sich die Mädels von meinem Stand ebenfalls in der Weinbar angekündigt. Sie haben ein paar Briten kennengelernt, die schreiben, dass sie sich in einer Bar aufhalten, die laut des Menüs wohl „Getränkekarte“ heißt, was an unserem Tisch bei der gesamten Chaosfamilie direkt für Erheiterung sorgt. Später stellt sich heraus, dass sie sich direkt hinter unserem Gebäude in einem Pop-Up Biergarten befinden. Die Mädels ziehen zu den Jungs weiter und wir lauschen mit unserer Deutsch-Britischen Familie der irischen Live-Musik in der Weinbar. Die Band „The Crazy Skifflemen“ war zufällig am Nachmittag hier vorbeigekommen, hatte sich im Weinviertele kurz vorgestellt und spontan angeboten, am Abend hier ein Hutkonzert zu geben. Auch solche Momente machen HO26 aus. Zuvor war schon jemand in den kleinen Laden eingetreten, hatte sich ans Klavier gesetzt und einfach ganz wunderbar gedankenversunken losgespielt. Gänsehaut pur!
Als das Wochenende sich dem Ende zuneigt bin ich wie alle vier Jahre etwas wehmütig, dass die große Multikulti – Sause schon wieder vorbei ist. Ganze vier Jahre müssen wir nun warten, aber eines weiß ich jetzt schon: Es wird ganz bestimmt wieder hervorragend! Ein großer Dank geht raus an die Familie Grundmann, die dieses Event gemeinsam mit den vielen Helfern stemmt und für ordentlich Leben in Hessisch Oldendorf sorgt!


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