Roadtrips machen wir schon seit Jahren immer mal wieder. Allerdings ist dies das erste Jahr, in dem wir uns aus dem Weserberglang mit zwei E-Autos auf den Weg machen. Wir reisen zu viert mit den Kids im ID.BUZZ und Jens Schwester Marion und ihr Mann Micha begleiten uns mit ihrem ID3. Über 2.500km legen wir inklusive aller Etappen und Zwischenstopps zurück. Die Spannung ist groß, wie die Ladesituation außerhalb Deutschlands sein wird. Ich hörte schon, dass es gerade in Kroatien gar nicht so viele Ladesäulen gibt und zudem aber – durch viele Touristen aus Skandinavien und den Niederlanden, die oft E-Autos fahren – dem ein hoher Bedarf entgegensteht.

Mit einer Ladestopp-Pause erreichen wir an unserem ersten Abend Nürnberg. Als wir in den Nürnberger Ortsteil Boxdorf einbiegen, kommen uns schon einige Menschen in bunten Trachten entgegen. Die erste Übernachtung unseres Kroatien – Roadtrips steht an und direkt in der Straße unseres Hotels findet eine Kärwa, eine süddeutsche Kirmes, statt. Solche Zufälle mag ich ja absolut! Es sind diese Dinge, die sich schwer oder gar nicht planen lassen, die aber einfach unterwegs passieren.

Unser „Hotel Schindlerhof“ ist auch ein ganz Besonderes. Es besteht aus einigen älteren und einigen modernen Gebäuden, hat einen kleinen Biergarten in einem Innenhof und einen Japangarten mit Koi-Teich, ebenfalls umrundet von Gebäuden. Der Biergarten gehört zum Restaurant „Unvergesslich“, wo wir für heute Abend einen Tisch reserviert haben, den wir umgehend beziehen und an dem wir uns mit dem ‚Neumarkter Lammsbräu‘ in die örtliche Bierkultur einweisen lassen. Die Kellner sind unheimlich aufmerksam und sofort zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Fast unheimlich, wie Micha kurz niest, leise in unserer Runde nach einem Taschentuch fragt und es ihm dann, wie aus dem Nichts, plötzlich von hinten vom Kellner gereicht wird.

Nach dem Essen erkunden wir das Gelände und zeigen den Verwandten, die etwas später eingetrudelt sind, den Koi Teich, die Stelle, wo einfach ein Zebra am Wegesrand steht, und die Halle zum Bogenschießen (das heute aber leider nicht stattfindet). Im ‚Raum der Erkenntnis‘, einem Kasten aus rosa Glas im Garten, erlangen Marion und ich die absolute Erkenntnis, dass wir uns an diesem Abend die nahegelegene Kärwa auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Zuvor zeigen wir uns aber noch gegenseitig unsere Zimmer, die in unterschiedlichen Gebäuden liegen. Marion und Micha haben ein kleines Dachgeschosszimmerchen, wir haben ein Familienzimmer mit einem kleinen Kinderzimmer mit Stockbett. „Das ist wohl auch ein Tagungshotel!“, gebe ich mein Wissen preis, denn nebenan befinden sich die passenden Räumlichkeiten in einem der japanisch anmutenden Neubauten. Das ist ungefähr derselbe Moment, in dem Mads aus der Minibar ein Päckchen Kondome herauszaubert und meint, da sind komische Sachen in dem Schränkchen. Wer hier unter kommt, ist auf jeden Fall für alles gerüstet. Passend dazu gibt es draußen den „One Night Stand for your E-Car“ an der hauseigenen Ladesäule.

„Auf der Kärwa gibt’s auch a Schiffschaukel!“, sagt man uns im Hotel zum Abschied. Marion und ich sind begeistert (also eigentlich hauptsächlich ich). Ich liebe Schiffschaukeln wie im Rastiland bei uns im Weserbergland. „Aber wir sitzen nicht ganz hinten!“, lässt Marion noch kurz vor der Kärwa verlauten, während ich schon voller Vorfreude um die Ecke stapfe. Dann muss ich lachen. Die von uns erwartete, große Schiffschaukel existiert nicht. Stattdessen gibt es eine Reihe ganz kleine Schiffschäukelchen, die man allein oder zu zweit selbst anschaukeln kann. Da hätte jetzt wohl auch Marion ganz hinten gesessen. Für den Nervenkitzel gibt es dann eine Runde mit dem Autoscooter für Jens und Marion mit den Kids. Mads darf sich im Anschluss zum ersten Mal an einer Schießbude probieren und räumt ordentlich ab. Später schunkeln wir mit Festzelt mit der Band mit, während um uns herum die Maßkrüge mit Bier verteilt werden und die Menschen auf den Tischen tanzen. Wir tauchen ein ins Getümmel und finden es ganz wunderbar unsere Reise direkt mit einem derartigen Erlebnis zu starten.

Fast etwas wehmütig verlassen wir am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück mit ebenfalls hervorragender Bedienung das „Hotel Schindlerhof“ in Richtung Chiemsee. Die Kinder haben sich die Nacht zusammen in eines der Betten gekuschelt, ich bin irgendwann kurz nach Sonnenaufgang vor meinem schnarchenden Mann in das obere Bett geflüchtet und war dankbar, dass dies frei war. Nun sind wir aber alle top fit und bereit für die nächste Etappe.

Am nächsten Ladestopp rufe ich hektisch Marion an: „Maaarion, ihr müsst hierherkommen! Wir sind zufällig an einer Ladesäule gelandet, die auf dem Gelände einer Schokoladenmanufaktur steht! SCHOKOLADENMANUFAKTUR!“. Ich bin so aufgeregt, dass sich meine Stimme am Telefon überschlägt. Aber Marion und Micha sind leider auf einer parallelen Route unterwegs und haben keine Chance, dieses Kleinod eines jeden Süßigkeitenliebhabers zu erreichen. Aber keine Sorge, wir wären ja nicht wir, wenn wir nicht binnen Minuten den Einkaufskorb bis oben hin mit allen möglichen Schokoladenvariationen der Confiserie Seidl gefüllt hätten. Um uns herum tummelt sich eine Gruppe Senioren, die auf dem Parkplatz neben unserer Ladesäule so eben einem Reisebus entstiegen ist und gerade ebenfalls ausschwärmt.

Dazwischen gibt es tanzende und singende Figuren, wie jene, die es ebenfalls zuhause im Rastiland gibt: Zebras, Löwen und Affen spielen Gitarre und singen im Dschungel des Süßigkeitenverkaufs von Schokolade. Wir sind alle reizüberflutet und glücklich zugleich, als wir uns mit unserem gratis Kaffee und Kuchen seufzend auf der Terrasse des hauseigenen Cafés niederlassen. Das Kaffee-Gedeck gibt es zu einem Ladestopp dazu, wenn man per App aufzeigen kann, dass man vor der Tür gerade lädt. Diese Ladestopps werden mir wirklich immer sympathischer. Im Elsass habe ich vor Kurzem noch an einem Weinhandel geladen, nun an einer Schokoladen Confiserie.

„Aktuell vermisse ich die alten Raststätten- und Tankstellenbesuche auf jeden Fall kein bisschen“, denke ich, als wir in Richtung Bernau am Chiemsee mit Taschen voll Schokolade vom Hof brausen. Es ist Stau auf der Autobahn und wir tingeln über kleine Ortschaften und hügelige Landschaften zu unserem nächsten Stopp. Eines ist aber nunmehr sicher: Günstig sind Ladestopps mit uns auf jeden Fall nicht, wenn das so weitergeht.