Wir und ein Cluburlaub in Ägypten. Das ist erstmal ungewöhnlich, denn normalerweise wollen wir Land und Leute kennenlernen. Doch in diesen Osterferien sind wir k.o. und möchten einfach nur Sonne, Strand erleben und uns dazu um nichts kümmern. Das Jahr hatte bis hierhin schon alles gegeben, um uns unter möglichst viel Stress zu setzen, und wir haben dringend eine Auszeit nötig.

Natürlich haben wir lange hin und her überlegt, ob Ägypten gerade in diesen Zeiten, in denen ganz nah Krieg und Konflikt toben, das richtige Reiseland ist. Sicherheit geht beim Reisen mit Kindern immer vor und dazu kommt noch die ethische Frage. Wir wälzen Quellen, aktuelle Nachrichten, das Auswärtige Amt und als direkte Quelle unsere Nachbarn, die Freunde im Land haben und mehrmals im Jahr dorthin reisen. Schließlich befinden wir, dass wir es wagen ganz spontan zu buchen (danke an die Reiseberatung von Jana Jothan mit ihrer Engels-Geduld) und zack sitzen wir im ID.BUZZ Richtung Flughafen Düsseldorf, dann im Flieger und landen bei Sonnenuntergang in Hurghada. 

Mein erster Tipp an dieser Stelle: Nehmt Dollar mit. Das Visum für Ägypten kann man am Flughafen für 30 Dollar (umgerechnet rund 26€) oder 33 Euro erwerben. Dies muss allerdings bar bezahlt werden. Kleine Dollarscheine könnt ihr im Urlaub auch gut für Trinkgeld verwenden, da Mitarbeitende von Hotels Euromünzen nicht in Ägyptische Pfund einwechseln können. 

Bei mir kommen sofortige Urlaubsgefühle auf, als unser Fahrer uns freundlich in Empfang nimmt und unser Gepäck auf dem Dach seines Kleinbusses festschnallt. Unser Resort liegt irgendwo im Nirgendwo bei Safaga, so dass wir nochmals 1,5 Stunden Fahrt vor uns haben. An drei Seiten des TUI Magic Life Kalawy befindet sich die Wüste, an einer Seite das Meer mit einer kleinen Lagune und einem wunderschönen Korallenriff, das man über einen Steg erreichen kann. Es wird also wirklich ein Entspannungsurlaub, denn Sehenswürdigkeiten oder kleine Orte findet man weit und breit nicht.

Langweilig wird uns trotz der einsamen Lage des Resorts während unseres Aufenthaltes aber nicht, denn so ein Club hat natürlich diverse Aktivitäten zu bieten. In der zugehörigen App finden wir einen ganzen Stundenplan, der uns jeden Tag aufzeigt, welche Aktivitäten auf dem Programm stehen und was man so alles kostenlos machen kann. Vorher haben wir sowas noch nie gemacht, aber finden doch gleich in den ersten Tagen Gefallen daran und nehmen uns vor möglichst viel einmal auszuprobieren. Unsere Mimi überredet mich sogar dazu, das hoteleigene Fitnessstudio auszuprobieren, aber wie auch zuhause ist das überraschenderweise auch im Urlaub nicht zu meinem Ding geworden. Die Lagune ist eher mein Geschmack. Im „Watersport Center“ kann man sich nach Eintrag in eine Liste diverse Wassersportgeräte ausleihen. Wir entscheiden uns für SUPs, mit denen wir im seichten Wasser der türkisenen Lagune umherpaddeln. An einem anderen Tag probieren wir die Kanus aus. Jens und Mia kreuzen bei ihrer Paddeltour sogar den Weg mit einem Rochen.

Am Strand gibt es Spinning Räder, die Mads und ich mit Blick auf das Rote Meer ausprobieren. Und zur Belustigung der Familie nehme ich jeden Tag am nachmittäglichen Water-Cycling Kurs teil, bei dem ich in einer ganzen Gruppe auf Unterwasserrädern im Pool strampele. Die Kinder finden das urkomisch, Jens überrede ich aber nach ein paar Tagen endlich dazu mal mitzumachen. „Almost there, almost there!“, ruft der südafrikanische Trainer vom Beckenrand aus. Ich drehe mich zu Jens um: „Mach dir keine Hoffnung, das sagt er die ganze Zeit und nicht erst am Ende der Übung!“. Jaja, macht euch nur über mich lustig. Anstrengend war es allemal, das muss auch mein Mann am Ende zugeben.

Aber das Beste, das Allerbeste, ist das Haus-Riff, das man über einen langen Steg an der Küste erreichen kann. Hier empfiehlt es sich auf jeden Fall eine gute Taucherbrille dabeizuhaben. Ich stelle schnell fest, dass mein Modell seine besten Tage hinter sich hat, während man mit Jens neuer, toller Brille tatsächlich Welten unter Wasser entdeckt, die mir mit einem alten Ding in den ersten Tagen komplett verborgen geblieben sind. Nemos, Feuerfische, Dories, … bunte Flora und Fauna unter Waser tut sich vor unseren Augen auf! Und obwohl das Meer zu dieser Jahreszeit noch recht frisch in den tieferen Regionen ist, kriegen wir gar nicht genug. Fast jeden Tag pilgern wir zum Ende des Stegs, auch wenn die gelbe Flagge gehisst ist. Jens schnorchelt bei hohem Wellengang so lange Strecken am Riff entlang, dass der Rettungsschwimmer nervös an der Tauchbasis auf und ab läuft, fortwährend mit der Trillerpfeife in die Ferne pfeift und ungehört „This is not good, this is not good!“ vor sich hinmurmelt. Selbst an unserem letzten Urlaubstag überlegen wir beide noch, ob wir einen letzten Tauchgang wagen. Draußen wütet ein Wüstensturm und die Palmen wiegen sich hin und her. Ich werde als Späher an den Steg geschickt, um die Lage zu checken. „Rote Flagge!“, vermelde ich, als ich einmal durchgepustet zurück ins Zimmer kehre und wir lachen in uns hinein, dass wir tatsächlich noch darüber nachgedacht hatten, in die peitschende Brandung zu springen, während der Rettungsschwimmer am Ende des Stegs in dicker Daunenjacke im Sturm sitzt und hofft, dass die Wellen nicht komplett alles überfluten.

Auch abends ist natürlich in so einem Club für Unterhaltung gesorgt, aber hier stellen wir schnell fest, dass die Shows im Theatrium eher nichts für uns sind. Wir können uns dem All Inclusive Gefühl einfach nicht komplett hingeben. Wir sitzen lieber mit einem Cocktail auf der Terrasse der „Wunderbar“ mit urdeutschem Namen, beobachten Menschen und hören Musik, die teils auch live performt wird.

Menschen beobachten kann man auch ganz „wunderbar“ im Hauptrestaurant, das eine riesige Terrasse und ein reichhaltiges Buffett bietet. Dazu kommt ein freundlicher Service. Alle Mitarbeitenden sind super nett und echt auf zack. Ich glaube, ich war noch nie in einem Hotel mit einem so großen Restaurant und so viel Auswahl an leckeren Speisen. Man muss sich wirklich zusammenreißen, um nicht Berge auf seinen Teller zu laden, die man am Ende im Zweifel gar nicht verputzen kann. Wir lehnen uns zurück und genießen, denn das ist doch echt eine der anstrengendsten Erwachsenenaufgaben, oder? Sich für jeden Tag eine passende Mahlzeit für alle Familienangehörigen zu überlegen und diese dann zu kochen. Versteht mich nicht falsch, wir kochen eigentlich sehr gern. Aber das Tägliche, das irgendwo schnell vor der Arbeit oder vorplanend bereits am Wochenende zubereitet werden muss, stresst uns mit zwei Vollzeitjobs in unserem Leben schon enorm. Selbst der pingeligste Reiseteilnehmer unserer Familie kommt hier im Hotel jedoch auf seine Kosten und findet tatsächlich auch mal eine Auswahl an Gerichten, bei denen er nicht ständig wieder bei Nudeln oder Pommes landet. Und der Nachtisch…hach, was soll ich sagen? Allein unsere Nachtischportionen würden wahrscheinlich den Energiebedarf einer ganzen Mahlzeit decken, aber die kleinen Küchlein, Eclairs und Cremes sind auch zu lecker!

Den Kids hatten wir vor dem Urlaub eine Quad-Tour durch die Wüste versprochen, aber beim ersten Veranstalter scheitern wir an der Altersgrenze. Quads dürfen nur allein und dann auch erst ab 16 benutzt werden. Am Strand kommt Jens jedoch mit Ramses ins Gespräch, der ebenfalls Anbieter solcher Touren ist. Nach längeren Verhandlungen und einem Tag Bedenkzeit sitzen wir tatsächlich jeweils zu zweit auf zwei Quads. Jens hat eine private Tour herausgehandelt, so dass wir mit zwei Guides durch die Wüste heizen. Die Guides sind so entspannt, dass am Ende sogar Mads für eine Strecke ans Steuer des Quads unserer Jungs darf. Stolz lenkt er das schwere Quad souverän bis zum nächsten Pausenstopp an einem Berg, der durch die ausgewaschene Form erkennen lässt, dass es hier mitten im Nichts vor langer, langer Zeit doch einmal Wasser gegeben haben muss.

Begeistert erklimmen Jens und Mads den Hügel, während wir Mädels chillen und den Blick in die unendlichen Weiten schweifen lassen. Als wir zurückkehren, sind wir komplett eingestaubt, aber glücklich. Im heißen Sommer hätten wir diese Tour sicherlich nicht gemacht. Selbst bei den 27° des Tages sind wir schon echt k.o., zumal man aufgefordert wird, lange Hosen zu tragen und einen Helm mit zugehörigem Kopftuch zum Schutz. Dieses Tuch wie ein Beduine zu binden zeigt uns nach dem Ausflug der Chef des Tourenveranstalters noch höchstpersönlich, da die Kinder ihn lieb danach fragen. Zum ersten Mal während unseres Urlaubs lassen wir uns zum Mittagessen im Restaurant nieder und schwelgen in Erinnerungen an das gerade erlebte. Vor allem für den Jüngsten unter uns war das natürlich ein Erlebnis!

Neben all den positiven Punkten gibt es aber eine Sache, die mich an einem Cluburlaub einfach ungemein stört. Und das ist das übliche Reizthema: Reservierte Liegen. Ich hörte, dass das generell ein Problem von Hotels im Ausland mit einer hohen Auslastung an Deutschen ist. Also sind wir wohl im Endeffekt selbst das Problem. Wir möchten gern den perfekten Platz für unser Sonnenbad. Auf Kreuzfahrten hatte ich mich schon über extra Spanngurte für Badetücher auf Liegen lustig gemacht, die mit der Aufschrift „Mein Urlaub, meine Liege“ so mit das Deutscheste waren, das ich je im Ausland gesehen habe. Man nutzt sie, damit das gut platzierte Reservierungs-Handtuch ja nicht dem Wind zum Opfer fällt und die Liege nachher noch von einem anderen Urlauber beansprucht wird. Auch in diesem Urlaub ist es egal, zu welcher Zeit wir an den Pool kommen: Es ist einfach kein Platz mehr frei, wobei aber oft ein großer Anteil der Liegen auch nachhaltig nur reserviert, aber nicht belegt ist. Am Strand sieht es schon besser aus, denn dort ergattern wir tatsächlich jeden Tag, auch nach dem spätesten Frühstück, noch vier Liegen und einen Schattenplatz unter einem der palmbeblätterten Schirme. „Ganz hinten in der dritten Reihe war doch noch ein Platz am Pool frei!“, vermeldet Mads an einem Tag, als wir gerade im flachen Wasser am Strand planschen. „Ja“, sage ich, „Aber ich möchte gern lieber aufs Meer als auf die Hintern von anderen Menschen schauen!“. Die Frau neben mir am Strand nickt mir dabei lachend zu!

Und so chillen wir Tag für Tag an dieser wunderschönen, türkisen Lagune und statten den Pools des Hauses hin und wieder einen Besuch ab. So ist das genau nach meinem Geschmack, denn am Meer ist es ruhig und oben an den Pools kann man hin und wieder ins bunte, laute Leben tauchen. Zum Sonnenuntergang, der zu dieser Jahreszeit schon gegen 18 Uhr ist, wechseln wir oft an den Pool und beobachten unsere tobenden Kids bei einem Sundowner. Das Leben kann so einfach sein!

Mein Fazit ist also: Wenn ihr einfach nur entspannen und in den Osterferien etwas Sonne tanken wollt, während das Wetter zuhause unbeständig und grau ist, dann sind so ein paar Tage Cluburlaub in Ägypten absolut perfekt. Man muss sich um nichts kümmern, hat keine Verantwortung für irgendwas und kommt einfach mal komplett runter. Wenn ihr etwas vom Land sehen wollt, dann empfiehlt sich in Ägypten eher eine Nil-Kreuzfahrt. Ich habe in diesem Urlaub meinen Frieden damit gefunden, einfach mal nichts zu besichtigen. Allerdings bahnt sich in unserer Urlaubsplanung gerade langfristig doch mal eine Tour entlang des Nils an… Man darf also gespannt sein! Und auch Cluburlaub werden wir sicher wieder machen, um einfach mal Fünfe gerade sein zu lassen.


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