Kurz vor Bamberg muss der ID.BUZZ geladen werden. Gut, dass diesmal direkt neben der Ladesäule eine Bäckerei liegt. Wir sollen ja auf unserem Roadtrip auch nicht verhungern. Den Ladestopp verbringen wir mit Vanilleeis mit heißen Kirschen, Kuchen und einem ordentlichen Kaffee.

Etwas ganz Luxuriöses gönnen wir uns zum Abschluss in Bamberg: zwei Zimmer im Hotel Bamberger Hof Bellevue. Das Foyer mutet schon sehr feudal an, ebenso die langen Flure mit roten Wänden und Stuck an der Decke. Wir sind froh über die Klimaanlage, die wir sofort nach unserer Ankunft einschalten, denn in Bamberg erreichen wir mit 37°C Temperaturen, von denen wir selbst in Kroatien noch entfernt waren.

Wir brauchen ganz dringend eine Erfrischung. Zuvor habe ich gelesen, dass man in Bamberg ganz offiziell in der Regnitz schwimmen kann. Mit der Hainbadestelle gibt es eine offizielle Badeanstalt, die schon seit rund 200 Jahren existiert. Die Kinder schnappen sich sofort ihre Badesachen und wir pilgern durch den Hainpark dorthin. Unterwegs kommen wir an einer nicht ganz so offiziellen Badestelle an der Regnitz vorbei. Hier gibt es zwei Treppen in den Fluss, viele Menschen sitzen auf dem Grad am Wegesrand in Badesachen, wogegen mehrere Schilder darauf hinweisen, dass Baden hier offiziell verboten ist. Ich wundere mich noch, warum es dennoch Treppen ins Wasser gibt, aber wir sind ja gerade unterwegs zur hochoffiziellen Badestelle, so dass ich den Gedanken nicht weiterverfolge.

Ich hatte extra Bargeld mitgenommen (meist haben wir keines dabei), weil ich Barzahlung aus unseren Schwimmbädern in der Heimat kenne, bin aber dann überrascht, dass man die Hainbadestelle komplett bargeldlos betreten kann. Ticket gekauft, am Drehkreuz gescannt und drin sind wir. Alles in allem ähnelt es hier einem normalen Schwimmbad mit Sonnenwiese, Umkleiden und sogar einem kleinen Kiosk. Anders ist der Gang ins Wasser. Entlang des Ufers der Regnitz erstreckt sich ein Steg. An einem Ende gibt es am Ufer einen Einstieg ins Wasser, am anderen Ende eine Treppe zum Ausstieg. Dazwischen lässt man sich einfach von der Strömung treiben. Dabei bloß nicht den Ausstieg verpassen, sonst ist man plötzlich jenseits des Zauns (bei den nicht ganz so legalen Schwimmern, haha). Auf jeden Fall ist es ein Spaß für die ganze Familie, wobei man sagen muss, dass unsere Mimi noch ein paar Wochenenden zuvor im Eisbach baden war und der langsamen Strömung der Regnitz daher mit einem milden Lächeln begegnet. Aber wir sind abgekühlt und dehnen die Zeit am Ufer und im Wasser aus, bis der Hunger Oberhand gewinnt.

Mari und Micha sammeln uns ein, wir machen uns kurz im Hotel frisch und pilgern dann in die Altstadt von Bamberg. Wir sind allesamt begeistert. Was für eine wunderschöne Stadt Bamberg doch ist. Wir lieben die Inselstadt mit den schönen Altbauten, das alte Rathaus, dass über den Fluss gebaut ist und das Kloster Michaelsberg, das hoch über der Stadt wacht. Wir könnten noch ewig herumlaufen, aber wieder einmal ist der Hunger das, was sich zwischen uns und das Sightseeing zwängt. Bei den Kindern kippt schon die Laune und wir bekommen langsam Angst, dass wir nun nach 21 Uhr vielleicht in Deutschland schon Probleme bekommen, etwas zu Essen zu finden. Die Gaststätten sind gut gefüllt und es scheint fast wie ein Wunder, als Mari und ich in der Ferne einen Tisch mit zwei langen Bänken in einem Restaurant direkt am Alten Rathaus entdecken. „Kriegen wir bei euch noch etwas zum Abendbrot?“, fragen wir abgehetzt beim Personal nach. „Nein!“, schallt es uns entgegen. Ups, Mist. Die Stimmung droht ganz knapp zu kippen, als der Kellner anfängt zu lachen: „Nein Spaß! Natürlich bekommt ihr noch was! Setzt euch!“. Erleichterung schwingt durch unsere Gruppe.

Nach dem füllenden, deftigen Bamberger Gasthofmahl setzen wir unseren Rundweg durch die Altstadt fort und landen direkt in der Bamberger Kneipenszene auf der Oberen Königsstraße mit ihrem berühmten Rauchbier. Die Straßen sind rappelvoll und die Menschen feiern genügsam zusammen. Wie schön sich sowas an einem lauen Sommerabend anfühlt! Ein ehrwürdiger letzter Roadtrip-Abend.

Das Fazit zum Roadtrip mit E-Auto kann mit einem Wort beschrieben werden: Gelungen! Dank unserer eh schon vorhandenen Planung mit eher kurzen Etappen, die von grandiosen Übernachtungen eingerahmt werden, war die Fahrt mit dem E-Auto absolut kein Problem. Außerdem sind wir Freunde von kulinarischen Ladestopps geworden (und haben zudem während dieser Reise ordentlich zugelegt, haha). Ladestopps haben zumindest auf unserer Tour bessere Verpflegung und Toiletten (!) gehabt als jede Tour mit ihren Rastplätzen zuvor. Außerdem haben wir festgestellt, dass regelmäßige Pausen eher dazu führen, dass wir entspannter am Zielort ankommen. Oft hatten wir sonst den Gedanken schnell durchzufahren und früher anzukommen, aber in der Realität ist so eine Pause zwischendurch eigentlich genau die Entschleunigung, die wir brauchten. Wir hätten keine Schokoladenmanufaktur gefunden und hätten nicht mitten in den Bergen unsere Füße in einem kalten Bach erfrischt. Wir hätten das American Diner mit Roboterbedienung und auch den Gasthof mit den verrückten Fahrzeugen für Kinder verpasst. Wir sind überall angekommen und niemals in Not geraten, weil der Akku zu schwach gewesen wäre. Und das Beste: Wir sind an fast jeder Ladestation mit netten Menschen ins Gespräch gekommen. Lieber ID.BUZZ, wir freuen uns auf den nächsten Roadtrip mit dir!