Auch auf der Rückreise ist die Etappe von Istrien bis nach Österreich die Längste, obwohl sie in ihren Kilometern unsere anderen Reiseabschnitte nicht übersteigt. Wir haben den letzten Tag dank unserer gutherzigen Gastgeber bis zum Nachmittag im Ferienhaus ausreizen dürfen und machen uns dementsprechend spät auf gen Norden.

Da der ID.Buzz durch unsere vielen Ausflüge vor Ort fast leer ist, gibt es einen ausführlichen Ladestopp kurz hinter der Grenze zu Slowenien. Witzigerweise waren wir genau an dieser Ladesäule schon auf der Hinfahrt. Wir sitzen mit einem Eis auf der Mauer in der Sonne und chillen bis zur Weiterfahrt. Einen zweiten Stopp gibt es nochmal kurz vor Salzburg. Diesmal ist es wieder ein Besonderer, denn die Ladesäule befindet sich direkt an „Maria’s American Diner“ im 60er Jahre-Stil. Kaffee kann man sich hier von einem Roboter servieren lassen und kleine Waffelpäckchen gibt es aus einer kleinen Maschine mit Kurbel. Alles in allem wieder ein witziger Stopp, der in unserer Favoritenliste abgespeichert wird. Wieder einmal kommt mir der Gedanke, dass mich solche Ladepunkte für zukünftige Halte an den schnöden Rastplätzen deutscher Autobahnen komplett versaut haben.

Salzburg erreichen wir durch die schöne, bergige Landschaft erst spät am Abend, als die Sonne schon wieder tief steht. Wir haben diesmal zu sechst eine hübsche Ferienwohnung gebucht, die zum „Levy’s Rooms Bed & Breakfast“ gehört. Zwei Schlafzimmer für die Erwachsenen, während die Kinder ihr Lager auf dem Schlafsofa im Wohnzimmer aufschlagen. Es gibt nur ein Bad für alle, aber für eine Nacht ist das okay. Außerdem hat die Wohnung eine tolle, breite Fensterbank mit Kissen und Decken im Wohnzimmer, auf der man entspannen und dabei die Menschen auf der Straße beobachten kann.

Wir möchten gerade lieber draußen Menschen beobachten und das am Liebsten auf der Suche nach Nahrung. Also ziehen wir los. Die Sonne geht unter und wir nähern uns schon wieder unserer kroatischen Abendessenzeit an. Wir laufen eine ganze Weile, bis wir das Gasthaus „Die Weisse“ mit einem schönen Biergarten am Fuß des Kapuzinerbergs erreichen. Wir bestellen wieder einmal Deftiges und natürlich hat der ein oder andere Sonderwünsche, die der nette Kellner lachend erfüllt. Einen gibt es doch in einer großen Reisegruppe immer, der jedes Gericht komplett ummünzen muss oder? Jens gehört zu der Sorte, die dann im Nachgang den Kellner doch noch einmal zurückrufen, weil ihnen doch noch eine bessere Zusammenstellung eingefallen ist. Aber wir sind heute schon froh, dass er seine Brille auf hat, und nicht wieder Marions klaut. Denn in diesem Fall zieht sich die Essensauswahl für alle noch weiter in die Länge. Zur Freude aller Hungrigen unter uns bestehe ich am Schluss auch noch auf das übliche Gruppenfoto vor der Einnahme der Mahlzeit. Michas Blick durchbohrt mich erst, wird aber dann durch die sympathische Bewirtung besänftigt. Ja, wenn wir Hunger haben, dann ist mit uns nicht zu spaßen. Vor allem, wenn die Kirchenglocken in der Nähe schon wieder die Nacht einläuten und der Biergarten sich um uns herum langsam leert.

Satt und zufrieden beschließen wir auf dem Rückweg noch einen kleinen mitternächtlichen Sightseeing-Spaziergang durch die Stadt zu machen. Immerhin sehen wir den Mirabellengarten und das Schloss Mirabell noch im Dunkeln. Über uns thront die Festung Hohensalzburg. Ein Learning unserer bisherigen Roadtrip – Erfahrung ist: Man kann nicht immer alles haben und Zufriedenheit ist ein hohes Gut, das man sich auf solchen Reisen immer bewahren sollte.

Rückblickend hätte ich für diesen Stopp sicherlich einen kleinen Berggasthof gebucht, wenn ich gewusst hätte, dass wir erst spät ankommen und von dieser malerischen Stadt gar nicht so viel haben würden. Aber irgendwie hat dieser Spaziergang in der Dunkelheit mit einem Bummel vorbei an beleuchteten Schaufenstern und einem Schloss im Zwielicht ja auch etwas für sich. Und auch der Biergarten direkt an der Felswand mit dem Personal, das uns mehrfach so zum lachen gebracht hat (fragt mich nicht mehr nach Details, aber ich hatte am nächsten Morgen Bauchmuskelkater), wäre nicht in unserer Erinnerung gelandet. Salzburg braucht für uns auf jeden Fall nochmal eine Fortsetzung, das ist schon mal klar! Eure Tipps bitte gern an mich!

Und das Beste ist der Moment, als wir zurück in die Wohnung kommen und die Kids sich in ihrem Schlaflager einmummeln und dabei bis in die Nacht kichern und Quatsch machen. Fast fünf Jahre Altersunterschied sind manchmal eine Herausforderung, aber manchmal braucht es nur die beiden und mir geht dabei das Herz auf!

Das Frühstück am nächsten Morgen ist gut und so machen wir uns gestärkt auf unsere vorletzte Etappe in Richtung Bamberg. Jens und ich beschließen wieder einmal, beim Navi die Autobahnen zu deaktivieren, da der Weg über die Landstraße gar nicht so viel weiter ist als die Schleife per Autobahn über München. Außerdem sehen wir schon wieder viele rote Streckenläufe und Stau mögen wir gerade nicht. Wir tingeln lieber. Und so führt uns unsere Route über eine Minigrenze von Österreich nach Deutschland, die sich am Ort Burghausen befindet. Oberhalb von Burghausen befindet sich…eine Burg, die bei der Einfahrt in den Ort gar nicht so spektakulär aussieht. Aber dann finden wir einen kleinen Parkplatz für eine kurze Pause und stellen fest, dass wir wieder einmal völlig zufällig etwas Besonderes entdeckt haben: die längste Burg der Welt. Die Anlage erstreckt sich weitläufig über die Anhöhe und ich bin eigentlich schon ganz heiß darauf, direkt dorthin zu gehen und sie vor der Weiterfahrt zu besichtigen. Aber die Kinder streiken. Wir haben 32°C und sie möchten absolut nicht gekocht werden. Also kommt auch dieses Fleckchen auf die Liste der „Möchte ich hin“ – Orte in meiner Favoritenliste. Potential für weitere Roadtrips ist also absolut vorhanden!

Es wird Zeit für eine Abkühlung. Diese sollen wir bei unserem letzten Stopp auch wieder auf eine ganz andere Art und Weise finden, aber dazu mehr in Bamberg.