Es ist ein paar Monate her, dass Jens und meine Tante Ingrid kurz hintereinander ihre Geburtstage feierten. Bei meiner Tante war es sogar ein runder Geburtstag, zu dem wir ein paar Tage in den Niederlanden verbracht haben. Beide haben eines gemeinsam: Sie waren früher große Michael Jackson Fans und natürlich anwesend, als der Künstler im August 1992 im Weserbergland Stadion in Hameln auftrat. Völlig naheliegend also, dass die beiden zu ihren Geburtstagen Tickets für das neue Michael Jackson Musical in Hamburg bekamen.

Funfact übrigens: Michael Jackson kam damals nur in unsere Kleinstadt und spielte bei uns das kleinste Konzert seiner „Dangerous Tour“, da er Märchen und Sagen liebte und natürlich auch von der Sage des Rattenfängers gehört hatte.

Aber zurück in die Gegenwart: So kommt es, dass wir zu viert (Jens, meine Tante Ingrid, mein Onkel Bobby und ich) an einem regnerischen Freitag in Richtung Hamburg fahren. Im Gepäck vier Musical Tickets für das ‚Michael Jackson Musical‘.

Parken mit unserem VW California ist ja immer ein kleines Abenteuer in großen Städten. Also fahren wir bei mittelmäßiger Sicht durch den dichten Regen der Hansestadt und suchen nach einem geeigneten Parkhaus. Dabei stellen wir fest, dass unser Hotel, das ‚Premier Inn Millerntor‘ direkt am Hamburger Dom liegt, der gerade stattfindet. Jens hat einen Geistesblitz und biegt auf den Parkplatz des Doms ein. „Entschuldigung, können wir hier eigentlich auch mehrere Tage stehen?“, fragt er den Ordner am Eingang. „Mhm, also ich könnte euch drei Parktickets für drei Tage fertig machen. Das würde tatsächlich gehen!“, antwortet dieser nach kurzem Überlegen. Und so parken wir nicht nur ohne die übliche Sucherei nach einem Parkhaus, dessen Höhe für uns mit dem Hochdach passt, sondern dazu noch um einiges günstiger als zum Beispiel in der Hotelgarage (50€ für 2 Nächte im Hotel, insgesamt 18€ für 3 Tage auf dem Dom-Parkplatz). Läuft doch!

Wir packen aus und machen uns auf dem Weg zum Hotel. „Zu unserer Familie würde ja noch passen, dass wir uns über einen nahen und günstigen Parkplatz freuen, aber am Ende am falschen Premier Inn in Hamburg stehen!“, lache ich noch, während wir unsere Rollköfferchen durch die Straßen rollen. In der Schlange an der Hotelrezeption zucke ich dann einen Moment, da auf den Visitenkarten doch glatt „Premier Inn St Pauli“ steht. Nanu. Kurzum: Ja, wir sind tatsächlich zunächst im falschen Hotel. Nein, das richtige Hotel ist nicht – wie vorher noch lachend zusammengesponnen – kilometerweit entfernt, sondern…direkt nebenan. Fragt mich nicht, warum zwei Hotels derselben Kette direkt nebeneinander liegen und warum diese von außen nicht deutlich zu unterscheiden sind, aber es war tatsächlich so und wir zuckelten lachend ob dieser kurzen Verwirrung einfach ein paar Meter weiter, um dann an der korrekten Rezeption einzuchecken.

Am ersten Abend nehmen wir ein schnelles Abendessen in ‚Tex’s Bar-b-q‘ ein, ein Grillrestaurant mit riesigen Screens, auf denen Fußball läuft. Ich muss wahrscheinlich nicht dazu sagen, dass die Männer dieses Etablissement auswählen und für gut befinden, haha. Aber die Burger sind lecker und wir stoßen auf das Wochenende mit einem großen Bier an. Wir haben nicht allzu viel Zeit zum Essen, da wir eine staureiche Anreise hatten und am selben Abend noch ‚Titten Tinas Kieztour‘ gebucht haben. Plötzlich klingelt das Telefon. Ein netter Herr von der Tour-Vermittlung ruft an und fragt mich, ob wir gleich die Kieztour gebucht haben. Als ich das bejahe, fragt er: „Ok, und ihr seid ganz normale Leute?“ Ich bin etwas irritiert und in meinem Kopf rattert „Was ist in diesem Zusammenhang denn jetzt normal und warum fragt er mich das?“. „Äh ja, wir sind eigentlich ganz normal…“, antworte ich vorsichtig. „Ah gut!“, kommt es erleichtert von der anderen Seite, „Also kein Junggesellenabschied oder so? Wir haben öfter mal Probleme mit sehr betrunkenen Teilnehmern.“. Mein Blick schweift über die zwei Grappa, die sich die Männer gerade bestellt haben, während ich geistesgegenwärtig nochmal unsere Normalität und Nüchternheit bestätige. Und ich frage mich direkt, wie man bei drei Tickets und einem Seniorenticket in der Buchung auf die Idee eines Junggesellenabschiedes kommen kann. Merkwürdiger Anruf vor einer Sightseeing Tour…

Also wird mein gewünschter Cocktail doch lieber auf später verschoben. Wir müssen sowieso los, um uns kurze Zeit später pünktlich mit ‚Titten Tina‘ auf der Reeperbahn zu treffen. Fünf lustige Elektriker aus Süddeutschland warten dort schon mit ihr auf unsere Ankunft. Damit ist unsere Gruppe für heute vollständig, was ich für sehr gut befinde. Normalerweise können über 20 Leute teilnehmen. Zum Start gibt es für alle erstmal einen Schnaps und ich frage mich innerlich erneut, warum man uns zuvor so merkwürdig aus dem Tour-Büro angerufen hatte. Dann startet die Tour und führt uns zur David Wache, der Wache mit dem kleinsten und bekanntesten Polizei-Revier Deutschlands. Wir laufen die Reeperbahn entlang und biegen dann in kleine Gassen mit diversen pikanten Details ein. Vom „Goldenen Handschuh“, in dem der Serienmörder Fritz Honka seine Opfer suchte, bis hin zum Elbschlosskeller, der zwar einen schönen Namen hat, aber der durchgängig geöffnet ist, so dass dort nie ‚feucht durchgewischt‘ wird, wie Tina uns erklärt. Einer der Elektriker verrät uns, dass sie dort am Vorabend ein Bier getrunken hätten und er hätte noch nie einen solchen Geruch in einer Bar und vor allem in den zugehörigen Toiletten erlebt.

Ein Highlight der Tour ist für meinen Onkel Bobby der Boxkeller unter der Bar ‚Zur Ritze‘, in dem schon diverse Spitzensportler geboxt haben. Er selber hat diesen Sport früher ausgeübt und schaut sich interessiert die Bilder an den Wänden an. Außerdem erfahren wir mehr über die Geschichte der ‚Beatles‘, die eine längere Zeit in St Pauli verbrachten und sogar ein Mitglied in Hamburg zurückließen, das sich dort verliebt hatte.

Die Tour ist auf jeden Fall zu empfehlen! Tina weiß alles und kennt witzigerweise auch jeden Türsteher jeder einzelnen Bar in St Pauli. Von ihrem Kollegen hatte ich vorab am Telefon noch Tipps für Orte bekommen, an denen wir den Abend ausklingen lassen können. Wir entscheiden uns dabei für eine Bar, bei der zwar feucht durchgewischt wird, die aber an diesem Abend keine Eiswürfel mehr für Cocktails hat. Na gut, der Abend startete mit einem Bier und endet nun auch damit. Wir nehmen es mit Humor!

Am folgenden Tag schlendern wir von St Pauli hin zum Hamburger Hafen. Leider nieselt es unentwegt, aber wir lassen uns die Laune davon nicht verderben. Unser Ziel ist die Elbphilharmonie und der Ausblick von der dortigen Aussichtsplattform. Meine Tante Ingrid hat Höhenangst, überwindet sich aber tatsächlich dazu mit uns eine Runde über die Plattform zu gehen und den Blick auf den Hafen von oben zu genießen. Von dort aus können wir auch das Ziel des heutigen Abends, das Michael Jackson Musical Theater auf der gegenüberliegenden Hafenseite sehen. In der Hafencity nehmen wir danach eine heiße Schokolade mit Matjesbrötchen zu uns (nein, niemand ist schwanger und wir wissen auch gerade nicht, wie es zu dieser Konstellation kam – war aber lecker!).

Für das Abendessen haben wir einen Tisch im ‚Beira Rio‘ reserviert, werden unheimlich freundlich bedient, in dem kleinen und familiären Restaurant, und essen richtig leckere Paella und Steaks. Nach dem Essen gibt unser netter Gastwirt uns einen Likör mit Vanille und Anis aus, der hier selbst angesetzt wurde. Ein schöner Start in unseren Musical Abend, der genauso toll weiter geht. Allein mit dem Wasserbus auf die andere Hafenseite zum Musical hinzufahren, hat schon etwas Besonderes. In der Pause der Aufführung sind sich Jens und Ingrid einig, dass das Musical das beste Geschenk war, aber dass natürlich niemand in Tanz und Gesang an den echten Michael Jackson herankommt. Witzigerweise geht es im Musical auch genau um die Entstehung der ‚Dangerous – Tour‘, auf der Jens und Ingrid damals mit am Start waren. Die Schauspieler machen das grandios, vor allem die Kinder, die Michael und seine Brüder in der Jugend spielen.

Und man glaubt es kaum: Nach dem Musical finden wir doch tatsächlich eine Bar, die Eiswürfel für unsere Cocktails hat. Wir stoßen auf ein gelungenes Wochenende an und beschließen das bald mal wieder zu machen!

Auf dem Rückweg ins Hotel laufen wir an der bekannten Herbertstraße vorbei und ich lache noch immer über eine Rezension, die ich dazu zufällig bei Google gefunden hatte: „Ein Stern Abzug, denn Herbert war nicht da.“ 🙂


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